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Promi-Bäcker verstößt gegen Lebensmittelhygiene
#1
Stadt macht Backstube Gaues dicht
Betrieb wegen „mangelnder Hygiene“ bis zum Nachmittag geschlossen / Bäcker wittert ein Komplott
Hannover, 25.02.2011 (haz)
Der Backbetrieb von Jochen Gaues, der neben zahlreichen Prominenten auch Bundespräsident Christian Wulff beliefert, ist gestern von Lebensmittelkontrolleuren untersucht und wegen hygienischer Mängel vorübergehend geschlossen worden. Gaues und seine Mitarbeiter beseitigten die Mängel, woraufhin die Stadt die Bäckerei im Stadtteil Ledeburg am Nachmittag wieder freigab.
Um 9 Uhr morgens hatten städtische Mitarbeiter die Sauberkeit der 60 Quadratmeter großen Bäckerei in der Schönbergstraße kontrolliert. Stadtsprecher Klaus Helmer spricht von einer „Nachkontrolle“. Auch Gaues gibt zu, dass es nicht die erste Kontrolle in seinen Filialen war. Bereitwillig erklärte der Bäcker gestern gegenüber der HAZ, welche Vorwürfe ihmseitens der Stadt gemacht werden: Die Schürzen der Mitarbeiter seien stark verschmutzt, es gab keine Protokolle über die Backtemperaturen bei den einzelnen Backvorgängen, und der Boden der Backstube war dreckig. In einer Prüfliste, die der HAZ vorliegt, heißt es zudem, dass die Auslieferungswagen in keinem hygienischen Zustand seien. Bis zum Nachmittag sollten alle Mängel beseitigt werden, so lautete die Auflage. Die Freigabe durch die Stadt erfolgte gegen 16 Uhr, wenn auch die Kontrolleure feststellten, dass „die Mängel in sehr geringem Umfang behoben“ worden seien. „Weil wir nicht backen konnten, ist uns ein Schaden von 4000 Euro entstanden“, sagte Gaues. Der Prominentenbäcker zeigte wenig Verständnis für das Vorgehen der Stadt. „Ich arbeite in einer Backstube. Da liegt nun mal Mehl und Wasser auf dem Boden. Dafür schmeckt unser Brot aber auch“, sagte Gaues, der in Hannover und Hamburg insgesamt vier Filialen mit seinen Backwaren beliefert. Zu seinen Kunden gehören prominente Köche wie Alfons Schuhbeck, Sarah Wiener und Johann Lafer. Gaues belieferte die deutsche Fußballnationalmannschaft, backte Brot für Stars wie Bruce Willis und Leonardo DiCaprio. Im vergangenen Jahr fand er deutschlandweit Beachtung, weil sich Bundespräsident Christian Wulff – wie schon seine Vorgänger Roman Herzog und Horst Köhler – Brot von Gaues nach Berlin liefern ließ. Erst am vergangenen Freitag war Gaues Gast in der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“.
In der Sendung lobte er die traditionelle Herstellung seiner Produkte. „Es macht mehr Spaß, mit den Händen zu arbeiten als nur an der Maschine stop und go zu drücken“, sagte Gaues. Und: „Bei mir sieht es aus wie im Chaos.“
Was Gaues traditionelle Handarbeit und Chaos nennt, ist auch Thema bei der Bäckerinnung. Im Juni des vergangenen Jahres hatte sich Klaus Borchers, der Ehrenobermeister der Bäckerinnung Hannover, mit einem offenen Brief an Gaues gewandt. Über die Bilder einer HAZ-Reportage schrieb Borchers damals: „Die Bilder zeigen eine Bäckerei, die man möglicherweise in den Slums einer südamerikanischen Millionenmetropole vermuten würde.“
Borchers bemängelte ein verschmutztes Förderband, reinigungsbedürftige Körbe, schmutzige Brotroste. Auch die Arbeitskleidung entspräche nicht „ansatzweise den minimalsten Anforderungen an hygienisch einwandfreie Arbeitsbekleidung“. Gaues macht nun Borchers für die Lebensmittelkontrollen in seiner Backstube verantwortlich. „Der hat mich schon einmal beschimpft. So was nenne ich einen Denunzianten“, sagt er. Borchers weist die Vorwürfe zurück: „Gaues sollte vorsichtig sein. Ich kümmere mich nicht um die Angelegenheiten der Ämter. Aber jeder konnte die Bilder von der Backstube im Fernsehen sehen.“
Gaues hat die Produktion gestern wieder aufgenommen, befürchtet aber weitere Kontrollen und Einbußen.„Die kommen gerade jeden Tag.“

Dieses Paradebeispiel mangelnder Einsicht ist nachzulesen unter <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Stadt-Hannover-macht-Backstube-Gaues-nach-Lebensmittelkontrolle-dicht">http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stad ... olle-dicht</a><!-- m -->, ebenso der Tragödie zweiter Teil: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Baecker-Gaues-flieht-aus-Hannover">http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stad ... s-Hannover</a><!-- m -->. Dort sieht man auch jeweils, wie ein Ofen beim Ehrenobermeister aussieht und wie beim "Mitbewerber".

Die Umlandbäcker werden sich bedanken, wenn ein prominenter Kollege meint, auf dem Lande könne man als handwerklicher Bäcker in puncto Hygiene sorglos verfahren. Die Kommentare der Verbraucher auf der Internetseite der Zeitung zeigen jedenfalls deutlich, dass sich der Bäcker vor weiteren Einbußen fürchten muss...
Meike Glaß
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#2
Hallo Zusammen,

wie sich ja mittlerweile herumgesprochen hat, betreue ich zahlreiche Bäckereibetriebe in Sachen Lebensmittelhygiene.
Was wir hier lesen mussten, ist mit Sicherheit eine Ausnahme. Die Großzahl der Bäckereien, die ich bis jetzt kennenlernen durfte sind sehr wohl verantwortliche Lebensmittelunternehmen, die die Betriebshygiene ernst nehmen und auch umsetzen.

Hygiene ist die Eintrittskarte für den Umgang mit Lebensmitteln. Wer meint er, er könne sich aus Arroganz, Selbstverliebtheit oder der Tatsache für den einen oder anderen Prominenten gebacken zu haben über die „hygienischen Spielregeln“ hinwegsetzen, wird schnell eines Besseren belehrt.
Hier anzukündigen, den Produktionsort wechseln zu wollen, weil die Behörden ihm übel mittspielen wollen, halte ich für lächerlich.
Erstens zieht das Hauptproblem, die Uneinsichtigkeit mit um und zweitens gehen die Behörden völlig vorurteilsfrei und ohne jeden Belastungseifer an so eine Betriebsprüfung heran. Der Kontrolleur bekommt KEINE Prämie, wenn er einen Betrieb anzeigt oder gar schließt. Im Gegenteil, es ist für die Kontrollbehörden viel angenehmer in den Betriebsüberprüfungsbogen zu schreiben „Ohne Beanstandungen“ als den ganzen Schriftkram zu bewältigen, den die vorgenannten Maßnahmen nach sich ziehen.

Ich finde es gut, dass der Bericht so ein öffentliches Interesse findet. Man kann nur hoffen, dass der Kunde das auch so sieht und beim nächsten Einkauf entscheidet, ober er sein Brot hygienisch sauber und nach alter Handwerkstradition ODER unhygienisch, schmuddelig dafür aber PROMINENT gebacken auf den Tisch seiner Familie stellen möchte. Ich würde hier nicht Sekunden überlegen.

Michael Bäuml
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#3
Die Angelegenheit um die o. a. "Promi-Bäckerei" Gaues entwickelte sich in den letzten Tagen rasant weiter:
Zunächst dementierten zahlreiche prominente Kunden, in letzter Zeit überhaupt noch Backwaren bezogen zu haben, was Herr Gaues wiederum zurückwies ...
Dann fand sich kein presigünstiger Produktionsbetrieb. Die Kosten für notwendige Neuinvestitionen waren allenthalben offenbar aus dem Blick geraten, denn da er bisher in einem alteingesessenen Betrieb produzierte, genoss Gaues weitgehend Bestandsschutz. Der ist jedoch aufgehoben, sobald der Besitzer wechselt oder eine andere Betriebsstätte bezogen wird.

Nun stand die Ehefrau für die Sünden ihres Gatten grade, und zwar auf ganzer Linie, denn er war nicht einmal anwesend, als sie zu 14.000 € Geldstrafe verurteilt worden ist. Bei einem solchen Unternehmerverhalten mangelt es sicher nicht nur an fachlicher Qualität, wie sie z. B. im NRW-Smiley an erster Stelle gefordert wird. Es steht zu erwarten, dass er nicht wegen der Hygienemängel schließen muss, sondern weil er ggf. mangels Ehefrau keine Geschäftsgrundlage mehr hat...

Scherz beiseite: Die hiesigen Berufskollegen sind in heller Aufregung, denn sie fürchten um das Ansehen der Zunft. Auswirkungen auf die Lebensmittelkontrolle ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Durch den "prominenten" Skandal sind viele Kontrolleure in unserer Gegend aufgeschreckt und schauen auch in unverdächtigen Betrieben auffallend genau hin. Die Anfragen nach Hygieneberatungen und HACCP-Konzepterstellung für Bäckereien nehmen zu und meine freien Freitage sind gezählt - seufz. Aber wie heißt das bei uns so treffend auf Platt? Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall...
Meike Glaß
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#4
Das Problem ist, dass wir nur denen helfen können, die erkannt haben, dass sie ein Problem haben und sich helfen lassen. Uneinsichtige "Schmuddelbetriebe wird es leider immer wieder geben.

Gruß
Michael
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#5
Wie man als Geschäftsmann so eine peinliche Geschichte, die eigentlich klein bleiben könnte, so aufbauschen und publik machen kann, ist mir schleierhaft, aber gut..weiter so... <!-- sBig Grin --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_biggrin.gif" alt="Big Grin" title="Very Happy" /><!-- sBig Grin -->

In diesem Bezug freue ich mich auf das kommende "Ampelsystem", das Hygiene endlich öffentlich macht...dann braucht der Bäcker nicht die Zeitung informieren um seine Unzulänglichkeiten den Verbrauchern zu präsentieren...das tun dann die Behörden für ihn...
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