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IFS Version 6, Kapitel 6 "Food Defense"
#1
Hallo liebe Fachkreisler!

Auf der Seite des IFS heisst es in einer Einladung zur Food Defense Konferenz: "Eine wesentliche Neuerung der Standards IFS Food 6 und IFS Logistics 2 betrifft den Schutz der Lebensmittelkette vor terroristischen Akten. Vor allem für Unternehmen, die den US-amerikanischen Markt beliefern, ist "Food Defense" schon seit längerem ein unvermeidliches Thema. Mit den neuen Versionen der IFS Standards müssen Unternehmen die seit zwei Jahren freiwillige Checkliste zum Schutz ihrer Produktion vor absichtlichen Schädigungen jetzt verpflichtend erfüllen. Unter den Rubriken "Sicherheitsbewertung", "Standortsicherheit", "Personal und Besucher" sowie "Externe Kontrollen" fasst die Checkliste Kriterien zusammen, die von den Auditoren überprüft werden. "


Aber was genau ist zu tun? Wie sind die Anforderungen zu verstehen? Was muss mindestens implementiert werden?

Um diese Fragen zu beantworten, wurde ein Leitfaden zur Umsetzung der Anforderungen an den Produktschutz (Food Defense) herausgegeben.
Ich habe diesen bereits durchgearbeitet und warte nun noch auf die Rückmeldung meines QM, aber ich muss sagen, dass der Leitfaden eine gute Anleitung ist: Die Anforderungen werden erklärt (WARUM?), für das WIE? werden Vorschläge und Erklärungen gegeben und dann kommt ein sehr schöner Punkt: FRAGEN, DIE DER AUDITOR STELLEN UND DIE DAS UNTERNEHMEN BEANTWORTEN SOLLTE.


Ich freue mich auf Diskussionen zum Thema Food Defense!

LG
Saftschubse
#2
Ich finde, dass es eine arge Panikmache ist und relativ sinnfrei ist.
Alleine die Anforderungen zum Personal, der Überwachung und den "Möglichkeiten" von "Vergeltungsmaßnahmen"... Wenn jemand einen Hass auf die Firma hat und so ein Potential, dann macht sie/er es vorab und dazu braucht es keine Verrenkungen, um ein Lebensmittel zu sabotieren.

Das ganze trägt dem Überwachungswahn Früchte Sad Sad Sad 
Mat beschte Gréiss
#3
Tja, das ist es wirklich, aber persönliche Meinungen lässt der IFS da ja nun nicht zu  ???

So hatten wir gerade vorgestern "lustige" Diskussionen über wie-hätte-es-unser-QM-gerne und wie-können-wir-es-überhaupt-umsetzen.
Leider ist unser QM recht weit von der Realität entfernt und fordert von uns QS-Leuten und den Betriebsleitern schier unmögliche Dinge - ausser man investiert viel Geld   Icon_rolleyes  Icon_rolleyes  und das scheitert an der Verhältnismässigkeit...

Nachdem ich das Thema jetzt zwingend angehen muss (ich hatte am Standort über den Sommer ja nur extrem viel Aufwand mit neuen Produkten und Anlagen) weil mein QM das Thema bis zum gehtnichtmehr vor sich her geschoben hat... es ist ja erst in 7 Wochen Audit und ich bin noch 2 Wochen in den Ferien und muss meinen Job noch an meinen Nachfolger übergeben... aber das ist auch schon wieder ein anderes Thema...   Icon_rolleyes  Icon_rolleyes


Fröhliches Standortsichern wünscht
Saftschubse
#4
Ich habe eine Frage zur Auditanforderung, Nr.6.2.2

Sabotage oder Verffälschungen werden verhindert und/oder deren Anzeichen erkannt.

- Bei den Container die bei uns ankommen werden die Siegel auf die Unversehrtheit überprüft.

- Bei der Ware die per LKW angeliefert wird ist keine Plombe vorhanden, da sich dort noch andere Ware befindet, die bei anderen Unternehmen angeliefert wird. Wie kann ich hier prüfen, ob die Ware manipuliert wurde?
Struwik
#5
struwik schrieb:- Bei der Ware die per LKW angeliefert wird ist keine Plombe vorhanden, da sich dort noch andere Ware befindet, die bei anderen Unternehmen angeliefert wird. Wie kann ich hier prüfen, ob die Ware manipuliert wurde?

Schau doch, ob Verpackung vollständig und unbeschädigt ist. Vielleicht reicht das aus - ansonsten Lieferanten um Verpackungsmöglichkeit bitten, wo sowas wie Siegel oder Bruchstellen drauf sind.
(Keine Ahnung, was das für Ware ist, daher nur Raten...)
Mat beschte Gréiss
#6
Es handelt sich um 1000 Kg Säcke die in der Mitte gebunden sind.
Die Säcke enthalten nur eine Info über Menge, MHD, Lotnr.

Bis jetzt habe ich nur geschaut, ob die Schlaufe auf ist und, ob die Säcke beschädigt sind (Löcher...usw.)
Struwik
#7
Mir würde das Überprüfen auf die Unversehrtheit der Verpackung und Abgleich mit den Papieren des Lieferanten ausreichen.

Mit Sicherheit kommt aber irgendwann und irgendwo ein Auditor auf die Frage: Und woher wollen Sie wissen, dass beim Verpacken beim Lieferanten nicht eine Neutrinofluxkompensatorbombe deponiert wurde?

Dann wird wieder guter Rat teuer und irgendwer vom QM muss sich wieder überlegen, welche Antwort passt, damit diese Frage ausstirbt.
Sorry für den Sarkasmus, aber wir hatten ja schon ausreichend über Lächerlichkeiten dieser Art diskutiert, daher fällt es mir schwer, manche Punkte ernst zu nehmen.

Dokumentiert die Wareneingangskontrolle mit den besagten Punkten (Vollzähligkeit, Unversehrtheit, Schädlingsbefall, Abgleich mit den Lieferpapieren), zieht zur Not eine Rückstellprobe und wem das noch nicht ausreicht, der soll euch seinen Weg aufzeigen <!-- sIcon_smile --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_smile.gif" alt="Icon_smile" title="Smile" /><!-- sIcon_smile -->
Mat beschte Gréiss
#8
<!-- Icon_lol --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_lol.gif" alt=":lol:" title="Laughing" /><!-- Icon_lol -->

Wird die Möglichkeit von Vergeltungsmaßnahmen durch entlassene Mitarbeiter bewertet?
---
Ja, die Mitarbeiter können eine Bombe mittels großer Schleuder aufs Gebäude werfen.


Werden die Gründe für den Weggang eines Mitarbeiters geprüft?
---
Ja, denn die meisten gehen mit solch Wehmut, dass sie ehrlich auspacken, warum sie gehen. Am liebsten würden sie bleiben (wenn sie selbst kündigen) oder bleiben (wenn sie gekündigt werden).


Wird das Personal überwacht?
---
Ständig. Sogar Kameras in den Umkleidespinden sind installiert. In den Toiletten, zwecks besserer Überwachung, Minikameras in der Schüssel positioniert, somit ein Verstecken von Ware, Sprengstoff, Drogen, Messern an den sonst schwer zu durchsuchbaren Stellen ausgeschlossen und sofort gesichtet wird.


Werden die Mitarbeiter in Bezug auf Produktschutz sensibilisiert und geschult, können sie Probleme erkennen und ungewöhnliches bzw.
verdächtiges Verhalten melden?
---
Ja, es gibt ein Denunziantenbonus i.H.v. einem Monatsgehalt.
Doppeltes Urlaubsgeld, wenn der Täter entlassen werden kann.


Werden die Spinde kontrolliert?
---
Ständig. Somit wird auch das angenehme Arbeitsklima ständig verbessert.


Sind Kameras erlaubt?
---
Nur zu Überwachungszwecken. Handys der Mitarbeiter werden eingezogen und verbrannt. Touristen dürfen nur schwar-weiss Bilder auf dem Gelände schießen.


Ist das Mitführen persönlicher Gegenstände in den Verarbeitungsbereichen eingeschränkt?
---
Nur, wenn es sich um wirklich persönliche Gegenstände handelt (Halsketten mit religiösen Symbolen oder Eheringe).


Gibt es eine schriftliche Richtlinie bezüglich legaler und illegaler Waffen und Drogen?
---
Konsum illegaler Waffen nur in den dafür vorgesehenen Bereichen gestattet. Nutzung von Drogen nur nach vorheriger Sicherheitsüberprüfung auf Aufforderung, da die Gesetzgebung beide Bereiche leider völlig unerwähnt lässt und man daher eine schriftliche Richtlinie erlassen muss.


Sorry, hatte das Thema heute an anderer Stelle und konnte nicht anders, als mal etwas wiedergeben <!-- sTongue --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_razz.gif" alt="Tongue" title="Razz" /><!-- sTongue --> [/quote]
Mat beschte Gréiss
#9
(03.09.2012, 08:14)Saftschubse schrieb: Hallo liebe Fachkreisler!

Vor allem für Unternehmen, die den US-amerikanischen Markt beliefern, ist "Food Defense" schon seit längerem ein unvermeidliches Thema. Mit der ... den IFS Standards müssen Unternehmen die ... Checkliste zum Schutz ihrer Produktion vor absichtlichen Schädigungen jetzt verpflichtend erfüllen. Unter den Rubriken "Sicherheitsbewertung", "Standortsicherheit", "Personal und Besucher" sowie "Externe Kontrollen" fasst die Checkliste Kriterien zusammen, die von den Auditoren überprüft werden. "


Aber was genau ist zu tun? Wie sind die Anforderungen zu verstehen? Was muss mindestens implementiert werden? ...


Ich freue mich auf Diskussionen zum Thema Food Defense!

LG
Saftschubse

In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um das Thema Food Defene geworden. Viele Unternehmen der Lebesmittelindustrie haben ihre Analyse implementiert und führen diese regelmäßig durch. Die implementierten Maßnahmen beziehen sich jedoch im Großen und Ganzen auf das Sichern des Produktionsgebäudes vor unbefugtem Zugang (Quelle: kurze, nicht-repräsentative Umfrage bei befreundeten QM-lern). Aus meiner Sicht viel zu oft vergessen wird die IT-Sicherheit. Natürlich wird diese durch die Mitarbeiter der IT umgesetzt und ist auch in vielen Unternehmen implementiert, doch wird sie oft von den Lebensmittelstandards und der QM zu sehr auf die leichte Schulter genommen.

Aktuell hat das BSI eine Pressemitteilung zu einem neuen Trojaner veröffentlicht: Pressemitteilung BSI 05.12.2018 Diese ist durch die Presse gegangen,  und sicherlich kennt diese auch jeder. Aber was hat diese mit Food Defense zu tun? Hierzu habe ich heute einen Artikel aus dem Maschinenbausegment gefunden. Hacker schränken Produktion bei Maschinenbau-Unternehmen ein Der Trojaner ist also in der Lage, nicht nur materielle Schädligungen durch zerstörte IT-Technik, sonder auch Schäden durch reduzierten Produktionsausstoß hervorzurufen. Das bedeutet auch, dass bei der gleichen Situation in einem der in Deutschland ansässigen großen Lebensmittelunternehmen eine Unterversorgung der Bevölkerung eintreten könnte. Bezieht sich diese auf produktionsrelevante IT, kann es sich dabei um einen langfristigen Ausfall handeln. Zielt diese aber auf die zentrale Logistik wären insbesodere große Lebensmittelkonzerne oder Speditiionen kurzzeitig (vielleicht 24 bis 48 h) nicht mehr in der Lage, Lebensmittel auszuliefern. ... Die restlichen Konsequenzen für die Versorgungsstiuation kann man ja selbst einmal weiterspinnen. Derzeit ist die Gefahr zwar nicht wahrscheinlich, doch ACHTUNG: "Unwahrscheinlich" ist sie schon lange nicht mehr, daher ist die IT-Sicherheit aus meiner Sicht ebennso wichtig für Food Defense, wie der geregelte Zugang von Personen zu sensiblen Bereichen.

Übrigens: Auch Lebensmittelbetriebe, deren Produktion einen Kapazität 1.200 Tonnen/Tag oder 1 Mill. Liter/Tag übersteigt, sind entsprechend der KRITIS-Verordnung als sensible IT diesbezüglich anzusehen. Ich denke, hier sind eine Mehrzahl der Unternehmen unter dieser Grenze. Aber in Deutschland haben wir viele Synergieeffekte zwischen Unternehmen, Gruppen- oder Konzernbildung. Die gleiche Verordnung gruppiert "Anlagen oder System zur Bestellung von Lebensmitteln" beziehungsweise "Anlagen und Systeme zur zentralen standortübergreifenden Steuerung" mit den gleichen Parameter ein. Bei einer Gruppe mit einem zentralen vertrieb und 8 Produktionsstandorten, ist man dann doch schnell bei nur 150 Tonnen am Tag. Also, vielleicht schadet es nichts, auch als QM einmal über den Tellerrand zu schauen. Smile


Angehängte Dateien
.pdf   Food - Food Defense - KRITISVO.pdf (Größe: 144,22 KB / Downloads: 1)
"Wenn Du das Umögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist" Sir Arthur Canon Doyle


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