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EU denkt über Verbot von Kunststoffgeschirr nach
#1
Einen aktuellen Bericht der "Wirtschaftswoche" hat die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) in ihrer Ausgabe am 02. 05. 2018 aufgegriffen und erwähnt auf Seite 1, dass die EU-Kommission voraussichtlich zum 23. Mai 2018 die Präsentation konkreter Vorschläge zum Verbot von Kunststoffgeschirr, - besteck und -trinkhalmen plane, um die Vermeidung von Plastikmüll voranzutreiben. Nach Aussage der EU-Kommission fallen jährlich ca. 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an - die Zahl wird jedoch nicht genauer aufgeschlüsselt.

Am 03. 05. 2018 meldet die HAZ, das Bundesumweltministerium befürworte den Vorstoß der Kommission, denn man sehe diese Entwicklung als internationales Problem an, das durch Verbraucherappelle allein nicht gelöst werde. Das Land Niedersachsen schließt sich dem Vorstoß an und auch der Gastronomieverband Dehoga Niedersachsen betont, die Gastronomie habe sich bereits nach Alternativen umgeschaut, zumal hiervon die gesamte Fastfoodgastronomie, sowie Außenbewirtschaftungsbetriebe (Biergärten, Foodtrucks, Wochen- und Jahrmarktstände) und Großveranstaltungen aller Art betroffen seien. Die Firma TetraPac experimentiert derzeit u. a. mit Papierhalmen, auch sind bei einigen Anbietern bereits Suppenteller aus Brotteig und Trinkhalme aus Stroh in der Erprobung.

Kritisch äußert sich der regionale Abfallwirtschaftsbetrieb der Region Hannover, Aha, mit der Warnung vor zu viel Optimismus, denn ein Verbot von Kunststoffgeschirr müsse auch Einweggeschirr mit Kunststoffbeschichtung in den Blick nehmen, da dieses nicht sortenrein zu trennen sei und damit Restmüll darstelle, der dem Recycling überhaupt nicht zugeführt werden könne. Grundsätzlich begrüße man die Initiative jedoch.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, kritisiert die höhere Besteuerung von Erdöl für die Kraftstoffherstellung, im Vergleich zur geringeren Besteuerug von Erdöl, das für die Kunststoffproduktion genutzt wird. Mir scheint die Frage nach einer Zusatzbesteuerung von Kunststoffprodukten jedoch kontraporduktiv, denn viele Hersteller und Verbraucher argumentieren erfahrungsgemäß gegen einen Sparzwang mit dem Hinweis, man habe ja schließlich mehr dafür bezahlt, also habe man auch das Recht, mehr zu verbrauchen.

Übrigens: Seit gestern leben wir in Deutschland für den Rest des Jahres "auf Pump" gegenüber nachfolgenden Generationen, denn wir haben die Jahresration für den ökologischen Fußabdruck soeben aufgebraucht. Alles, was wir ab jetzt verbrauchen, lässt sich zukünftig nicht mehr ohne Weiteres regenerieren...
Meike Glaß
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#2
Ja, interessantes Thema. Frankreich hat übrigens schon vor 2 Jahren einen Vorstoß im Alleingang gemacht, um die Plastikmüllflut einzudämmen; in Kraft tritt das dann 2019 – Lebensmittel-Exporteure nach Frankreich müssen dies berücksichtigen.

Für aktuelle Details siehe beispielsweise hier:
https://www.arte.tv/de/articles/frankrei...-den-krieg
http://www.manager-magazin.de/politik/eu...23154.html

Die Beutel am Obst- und Gemüsestand französischer Supermärkte müssen offenbar jetzt schon kompostierbar sein. Soweit ich aber informiert bin, stellt das gemeinsame Einsammeln von kompostierbaren und erdölbasierten Plastikbeuteln ein Problem dar (sofern letztere nicht einfach verbrannt, sondern tatsächlich recycelt werden), da man diese optisch nicht unterscheiden kann und die kompostierbaren Kunststoffe die Gesamt-Recyclingcharge offenbar verderben – für eine ähnliche Argumentation siehe den Artikel im Manager-Magazin. Das müsste man dann noch irgendwie lösen …
Lebensmittel-Fachübersetzer, Großhandelskaufmann (Lebensmittel), Betriebswirt
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#3
NACHTRAG:

Mein letzter Beitrag war irgendwie unvollständig (hatte dann plötzlich keine Zeit mehr). Auch ging der Ursprungsbeitrag von Meike ja nicht um Kunststoffverpackungen im Allgemeinen, sondern konkret um Plastik-Einweggeschirr. Letzteres ist in Frankreich ab 01.01.2020 verboten, siehe hier ein Beispiel einer Meldung von 2016 und einer von 2018:
https://www.bento.de/nachhaltigkeit/fran...0000868281
https://www.euwid-verpackung.de/news/mar...ieten.html

Wenn die EU dem Vorbild Frankreichs für die „restliche“ EU folgt, sind ja, wie ich das sehe, generell folgende Bereiche zu unterscheiden:

1)     Einweggeschirr für Stadtfeste, Partys etc.: Hier müssten Veranstalter dann entweder auf Mehrweg umsteigen, oder auf die von Meike erwähnten essbaren oder abbaubaren Varianten. Ersteres erfordert dann eine ziemliche Logistik, wobei das teilweise auch bei Einweggeschirr (nach deren Ausgebrauch) so war und auch dort manchmal schwierig, z.B. kürzlich in Karlsruhe (wenngleich das dort Pappbecher waren): https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/...66,2286052
2)     Einwegbecher für Automaten (oft geschäumt, z.B. für Heißgetränke): Alternativen erforderlich, aber vermutlich schwierig umzusetzen.
3)     Einweggeschirr in der Fast-Food-Gastronomie, z.B. Becher und Trinkhalme. Oft völlig unnötig und „verbotswürdig“; für den Unterwegsverzehr (zum Mitnehmen) braucht es dann allerdings umweltfreundlichere Ersatzlösungen, ebenso für die Trinkhalme im Außenbereich (siehe unten).
4)     Einweggeschirr als Teil von normalen Lebensmittelverpackungen im Handel, z.B. Trinkhalme an Getränkepackungen für Kinder für unterwegs (auch hier siehe nächster Punkt) – hier überschneidet es sich thematisch mit Kunststoffverpackungen im Allgemeinen.
5)     Artikel wie Trinkhalme für Kranke, Kinder etc. zuhause: Wenn Plastik-Trinkhalme verboten werden, braucht es Alternativen, da diese z.B. Kinder (und auch Erwachsene) vor dem „Mittrinken“ von Wespen schützen. Ebenso benötigen Kranke manchmal Trinkhalme, und zwar nicht nur im Krankenhaus; da müssen die Halme dann ausreichend hygienisch sein.
 
Wenn ich es recht verstehe, wird nur ein Verbot für Einweg-Plastikgeschirr erwogen. Wiederverwendbares Plastikgeschirr hingegen dürfte ja sogar einen besonders guten ökologischen Fußabdruck haben, z.B. nehmen wir zum Camping Kunststoffgeschirr statt Porzellangeschirr mit, was das Auto um einiges leichter macht und den Benzinverbrauch deutlich senkt; außerdem ist es bruchfest und hält länger (in der speziellen Umgebung ...).
 
Man darf gespannt bleiben ...
Lebensmittel-Fachübersetzer, Großhandelskaufmann (Lebensmittel), Betriebswirt
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