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Mitarbeiter Motivation Loyalität und das HACCP
#1
Moin,
heute mal ein etwas schwammigeres aber für mich umso interessanteres Diskussionsthema:
Motivation von Mitarbeitern an kritischen Punkten der Lebensmittelherstellung
Ich hatte vergangene Woche eine illustre Gesprächsrunde mit unserer Arbeitehmervertretung im Unternehmen. Dort ging es um eine Kleinigkeit innerhalb des Produktionsprozesses an einem neuralen Punkt der Lebensmittelsicherheit.
Es sind dort neuerlich Handgriffe durchzuführen, die es vorher eben nicht gab. Die Mitarbeiter dort (i.d.R. zwei) haben dort keinerlei körperliche Anstrengungen. Nun jedoch schon. Einfachste Tätigkeit, zu welchen sich die Mitarbeiter nun nicht mehr imstande sehen.
Im Gespräch wurde einige Argumente vorgetragen, die im Grunde nur um den heißen Brei gingen. Ich habe es auf den Punkt gebracht und gesagt, dass die MA einfach keine Lust haben, diese Tätigkeit auszuführen.
Daraufhin hat sich dann etwas herauskristallisiert, was ich im QM doch sehr sehr kritisch sehe. Der Mitarbeiter hat eine äußerst negative Einstellung dem Unternehmen gegenüber. Es sei ihm egal, ob die Versicherung oder die Genossenschaft alles stilllege. "Ist mir egal, was mit der Firma passiert" [O-Ton]


Ohne böses unterstellen zu wollen (oder zu können), nagt eben jener Satz an mir. Das anstregenste an dem Posten dort ist der Moment, an dem man auf einen kleinen Shuttle steigen muss. Keinerlei Stress, keinerlei Hektik und auch sonst nicht mal eine körperliche Belastung. Und nun soll auch das noch technisch gelöst werden. Andernfalls meldet sich der MA krank, weil er dann Rücken bekommt. Fakt ist, er ist körperlich nicht mehr für die Position geeignet, wenn es schon an simpler Handarbeit scheitert.

Nun muss man für die Position nicht unbedingt viel gestig auf dem Kasten haben. Erschwerend ist in dieser Sache
vielleicht noch, dass die MA einen Arbeitsvertrag genau für diese Position haben. Nicht allgemein "MA Produktion" sondern genau auf die 2m² beschränkt. "Grande merde" wie ich finde.

Habt ihr vielleicht Erfahrungen mit solchen Mitarbeitern? Wie soll man damit umgehen, wenn man die Verantwortung (von der GF übertragen) trägt? Wenn es nach mir ginge, würde ich die MA dort gegen etwas arbeitswilligere und vielleicht auch loyalere tauschen wollen. Aber nur aus meinem Gefühl heraus lässt sich das wohl nicht durchsetzen. Vielleicht irgendwie über das Food Defense?

mfg
FischRob
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#2
Guten Morgen,

ich denke, dass es diese Probleme in den verschiedenen Betrieben immer wieder geben wird. Ich glaube, man ist schnell bei der Argumentation, dass ja auch sehr niedrige Löhne bezahlt werden, und man deshalb nicht viel erwarten darf. Auch wenn ich weiß, dass die Lohnzahlung in ganz vielen Betrieben ein sehr relevantes Thema bildet, hat mir meine Erfahrung gezeigt, dass sie mit den oben beschriebenen Phämomenen leider nicht in einem Zusammenhang stehen. Leider habe ich nicht ganz aus dem Text herausbekommen, ob der O-Ton vom Mitarbeiter am neuralgischen Punkt oder vom Arbeitervertreter stammt. Beides geht aus meiner Sicht aber nicht.

Für den Mitarbeiter am neuralgischen Punkt sehe ich einen relativ klar definierten Weg. Das Unternehmen ist nach den GFSI-Standards verpflichtet, die Kompetenz der Mitarbeiter bei Tätigkeiten, die für die Lebensmittelsicherheit und -qualität relevant sind zu prüfen. Dies kann durch schriftliche Tests, Gespräche, aber auch durch Begutachtung der durchzuführenden Tätigkeiten erfolgen. Insbesondere in letztem Falle, kann aus einer festgestellten Diskrepanz in der Begutachtung eine neue Schulung erfolgen. Ist diese dann ebenfalls nicht wirksam, kann durchaus die Diskussion in zwei Richtungen laufen:
a) der Mitarbeiter will nicht, in diesem Falle Abmahnung,
b) der Mitarbeiter kann nicht, Änderungskündigung.
Ich denke, allein durch das Aufzeigen dieser beiden Möglichkeiten, relativiert sich die Arbeitseinstellung.

Wenn die Aussage vom Arbeitnehmervertreter kommt, bin ich total erstaunt. Hier sollte man den guten Herren an § 74 des Betriebsverfassungsgesetzes erinnern: "Arbeitgeber und Betriebsrat haben Betätigungen zu unterlassen, durch die der Arbeitsablauf oder der Frieden des Betriebs beeinträchtigt werden." Auch der nachfolgende § 80 formuliert eigentlich sehr schön, dass die Aufgaben des Betriebsrates nach vorne und nicht nach hinten gerichtet sein sollen. "Der Betriebsrat hat folgende allgemeine Aufgaben: 1. ... dass die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden; 2. ... Aus-, Fort- und Weiterbildung und dem beruflichen Aufstieg, zu fördern; ... 8. die Beschäftigung im Betrieb zu fördern und zu sichern ..." Von einer Verweigerungshaltung steht hier nichts. Manchmal muss man einzelne Arbeitnehmervertreter an diese Regelungen erinnern.

Über Food Defense wirst Du aber nicht weiterkommen, da Du an dieser Stelle einem einzelnen Mitarbeiter Sabotage oder Bio-Terrorismus unterstellen müsstest, denn Food Defense beschäftigt sich ja mit der "beabsichtigten, negativen Beeinflussung der Lebensmittelsicherheit".
"Wenn Du das Umögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist" Sir Arthur Canon Doyle
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